Das Haus der Stille wurde im Jahr 1997
am 24. Juni, dem Geburtstag Johannes des Täufers, eingeweiht.
In der Hauskapelle erinnert eine Ikone an ihn. Wir hoffen, dass diese
ständige Erinnerung unserem Dienst ein gutes Leitbild gibt.
Wer
war Johannes der
Täufer?Die Bibel
beschreibt ihn als Propheten, dessen Lebensaufgabe es ist! Jesus den
Weg zu ebnen. "Ändert eure Gesinnung und euer Leben, denn das
Reich Gottes ist nahe!" Das ist der Grundton seiner Predigt, mit der er
Menschen zur Taufe im Jordan einlädt (daher der Name:
"Johannes der Täufer").
Seine
"Karriere" beginnt bereits vor seiner Geburt. Jesus begegnet ihm,
ebenfalls als Ungeborener im Schoß seiner Mutter, als die
beiden werdenden Mutter Maria und Elisabeth einander treffen. Johannes
vollführt im Augenblick dieser Begegnung einen Freudensprung.
Die Freude springt auf die Mütter über, so dass sie
einen Lobgesang singen, der noch heute im Abendgebet der Kirche seinen
festen Platz hat (vgl. Lukasevangelium 1,39ff.).- Dieser
"vorgeburtliche" Freudensprung prägt Johannes und
begründet eine einzigartige Freundschaft zu Jesus, die nicht
abhängig ist von persönlichem Kontakt, sondern
große Distanz erträgt und schwere
Enttäuschungen aushält.
Am
Höhepunkt seines Lebens erlebt Johannes, dass ein Teil seiner
Gefährten von ihm weggeht, um Jesus von Nazaret nachzufolgen.
Die übrigen Freunde regen sich darüber auf: Jesus
macht ihnen Konkurrenz! Aber Johannes der Täufer stellt klar:
"Wer die Braut (=die Kirche, die mit dem Jüngerkreis Jesu
anfangt) hat, ist der Bräutigam (=Jesus). Der Freund des
Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut
sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine
Freude ist nun erfüllt. ER MUSS WACHSEN. ICH ABER MUSS
ABNEHMEN." (Johannesevangelium 3,29.30) Später wird diese
Freundschaft einer schweren Bewährungsprobe unterworfen:
Johannes
sitzt im Gefängnis. Er hat König Herodes wegen seines
Ehebruchs in aller Öffentlichkeit scharf kritisiert und auf
den Widerspruch zwischen dem kommenden Reich der Liebe und dem
untergehenden Reich von Verrat und Untreue hingewiesen.
Diese
Kritik kostet Johannes Freiheit und Leben. - Im Verlies der Festung
Machairos grübelt er: "Bist du wirklich der, der kommen soll,
der Bräutigam?
Wann wird Hochzeit sein?
War alles ein Irrtum? Müssen wir auf einen anderen warten?" -
Jesus spricht ein starkes Wort zu den Abgesandten seines Freundes:
"Erzählt, was ihr seht und hört: Blinde sehen, Lahme
gehen, Aussätzige werden rein, Tote stehen auf, Armen wird die
gute Nachricht verkündet." (Das sind die biblischen Kriterien
des kommenden Reiches Gottes.) "Glücklich ist, wer sich nicht
an mir ärgert" (Vgl. Matthäus 11,1-5).
Aus
alledem ergibt sich ein Leitbild für den Dienst im Haus der
Stille:
1. Um die Grundhaltung eines "Freundes
des Bräutigams" muss sich jeder Seelsorger mühen:
Menschen auf dem Weg zu Jesus Christus mit großer
Aufmerksamkeit begleiten, jedoch diskret zurücktreten, wenn
sie IHM folgen wollen.
2. Mit unseren Fragen,
die den Fragen aus dem Kerker nicht unähnlich sind, gehen wir
zu Gott. Dabei ist es nicht das Größte, schnelle
fertige Antworten zu bekommen, sondern jederzeit auf Gott zu vertrauen,
der größer ist als wir.
3.
Vor allem hoffen wir, dass die erste Freude des Ungeborenen sich auch
bei uns fortsetzt und "Freudensprunge" ausl6st. Das meint mehr als
bloßes Wohlbefinden. Auch wenn es um uns sehr dunkel ist,
bleibt diese Freude.
Um diese Gaben bitten wir
Gott, den Freund des Lebens.
(Verfasst
von Pfr. i. R. Christian Schreier, Gründer des Hauses der
Stille.)